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Dauerweideflächen werden mit Kurzrasenweide optimal genutzt

Weiden liefern das preiswerteste und gehaltvollste Grundfutter, das dem Wiederkäuer angeboten werden kann. Gerade Betriebe, die einen Großteil der Ration aus dem Weidefutter beziehen möchten, sind auf ertragreiche Bestände angewiesen. Die beiden Haupteinflussfaktoren für einen ertragreichen Bestand sind der optimale Pflanzenbestand und eine ordnungsgemäße Weidepflege.
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Die optimale Nutzung einer Dauerweidefläche passiert mit dem System der Kurzrasen- oder Koppelweide. Diese beiden Systeme erfordern ein sehr hohes Maß an Management, liefern jedoch die besten Erträge und Qualitäten.
Betriebe, die vermehrt in die Weidehaltung einsteigen, beginnen in der Regel einen Teil der bisherigen Schnittwiesen als Dauerweiden zu nutzen. In traditionellen Schnittwiesen sind hauptsächlich horstförmig wachsende Obergräser, z.B. Knaulgras oder Wiesenfuchsschwanz, vorherrschend, die bei einer intensiven Beweidung mit der Zeit zurückgedrängt werden. Bei einer optimalen Weideführung wird der Aufwuchs nie höher als 5 bis 7 cm (Kurzrasenweide) bzw. 10 bis 20 cm (Koppelweide).

Untergräser fehlen

Für die Weidenutzung sind wertvolle Untergräser mit Ausläufertrieben, die an die Stelle der Obergräser rücken, z.B. Wiesenrispengras, optimal. Bei diesem Prozess entstehen Lücken im Bestand. 

In den meisten Fällen sind zu wenige wertvolle Untergräser in der Wiese vorhanden und so werden ohne eine Maßnahme die entstehenden Lücken von unerwünschten Gräsern und Kräutern besiedelt. Solch eine Entwicklung führt zu einer Verringerung des Mengen- und Qualitätsertrages auf der Fläche. Dabei darf nicht angenommen werden, dass die intensive Beweidung an diesem Zustand schuld ist, sondern das Fehlen der gewünschten Pflanzen. In der Umstellungsphase von einer Schnittwiese zu einer Dauerweide bzw. bei der Sanierung bestehender Dauerweiden ist es ratsam, begleitende Übersaaten zu tätigen, die den Bestand in die gewünschte Richtung lenken und somit die gewünschten Erträge und Qualitäten garantieren.

Übersaat

Übersaaten auf Dauerweiden sind einfach durchzuführen und benötigen einen geringen Maschineneinsatz. Die erste Voraussetzung für eine Übersaat ist, dass der Bestand sehr gut abgeweidet und ausreichend offener Boden sichtbar ist. Dafür eignet sich das Kurzrasenweidesystem optimal. Das Samenkorn muss auf den Boden fallen, damit es keimen kann. Der wichtigste Punkt bei der Übersaat ist die Wahl des richtigen Saatgutes. Das bedeutendste Weidegras im mitteleuropäischen Klima ist das Wiesenrispengras, da es starke unterirdische Ausläufertriebe bildet und so eine stabile und dichte Grasnarbe zur Folge hat. Da dieses Gras speziell zu fördern ist, wird als Übersaat reines Wiesenrispengrassaatgut verwendet. Zwei geeignete Wiesenrispengrassorten sind Lato oder Balin (Achtung: Biobetriebe müssen bei Verwendung von konventionellen Gräser-Einzelkomponenten vor der Saat ein Ansuchen bei der Kontrollstelle tätigen). Soll ein rascher Erfolg eintreten, empfiehlt es sich, zwei bis drei Übersaaten in einem und gegebenenfalls in einem weiteren Jahr durchzuführen. Pro Übersaat werden je nach Lückigkeit 8 bis 10 kg Saatgut pro ha benötigt. Auf sehr günstigen Standorten (z.B. Alpenvorland) kann 2 bis 4 kg Englisches Raygras (Sorten Guru oder Ivana) dazugegeben werden. Eine zusätzliche Saat von Weißklee ist meist nicht notwendig, da dieser mittels des oberirdischen Kriechtriebes auf der Dauerweide stark zunimmt.

Die Übersaat selbst wird am einfachsten mit einem Feinsämereienstreuer gemacht. Wichtig ist nur, dass zuvor die Fläche sehr gut ist und offener Boden sichtbar ist. Das Wiesenrispengras ist ein Lichtkeimer und darf nicht in die Erde abgelegt werden. Die Tiere bestoßen unmittelbar nach der Saat die übersäte Weidefläche. Dies ist wichtig, da die Tiere mit den Klauen die Samen anpressen, was für die Keimung entscheidend ist. Herrschen nach der Saat günstige Wetterbedingungen (Niederschläge und Wärme), so können die Keimlinge bereits nach zwei Wochen gesehen werden. Ein wichtiger Faktor ist, dass die Fläche immer stark beweidet bleibt. Dabei wird der vorhandene Pflanzenbestand kurz gehalten, wodurch der Konkurrenzdruck für das heranwachsende Wiesenrispengras minimiert wird. Die Schäden durch die Weidetiere an den Keimlingen halten sich in Grenzen, da die Jungpflanzen längere Zeit außerhalb der Bisshöhe liegen und tolerant auf den Tritt reagieren. Nach der Saat sollte keine Gülledüngung vorgenommen werden, da diese die Keimung des Wiesenrispengrases negativ beeinflusst.

Weidepflege

Neben dem Pflanzenbestand stellt die Weidepflege einen wichtigen Faktor dar. Ein entscheidender Grundsatz ist ein früher Weidebeginn im Frühling. Mit dem Weiden wird zum Zeitpunkt des Spitzens der Gräser begonnen. Das Futter ist erst wenige cm hoch und die Beweidung erfolgt über eine große Fläche (zwei bis drei Kühe je ha). Dabei ist nur zu berücksichtigen, dass die Tragfähigkeit des Bodens gegeben ist und somit keine Narbenschäden verursacht werden. Die Frühjahrsweide hat mehrere positive Effekte auf den Pflanzenbestand. Zum einen werden alle Pflanzen gefressen, was einen sanierenden Effekt hat, und zum anderen verursacht der Tritt der Tiere einen mechanischen Reiz an den Gräsern, die so vermehrt zur Bestockung (Seitentriebbildung) angeregt werden.

Das Düngen von Weideflächen ist eine sehr wichtige Maßnahme, da über das Weidefutter sehr viele Stoffe entzogen werden und somit eine hohe Umsetzungsrate im Boden und in den Pflanzen herrscht. Die optimalen Ausbringzeitpunkte bei einem Güllebetrieb sind eine Woche vor Weidebeginn und dann ein bis zwei Düngungen im Sommer. Optimal eignet sich eine 1:1 mit Wasser verdünnte Gülle, die mit 8 bis 12 m2 je ha ausgebracht wird. Zwischen Gülledüngung und Weidebeginn muss es regnen, da so die Gülle gut von den Blättern abgewaschen wird. Im Sommer ist die Düngung auf einer Kurzrasenweide schwieriger als auf der Koppel, da keine Ruhezeiten vorhanden sind. Bei der Kurzrasenweide kann die Weidefläche in zwei oder drei Etappen gedüngt werden. Man beginnt mit der Gülledüngung beim Einsetzen einer Regenperiode und beweidet den gedüngten Teil dann eine Woche nicht. Bei der nächsten Regenperiode düngt man dann den nächsten Teil der Kurzrasenweide. Im Koppelsystem kann gleich nach dem Abtrieb aus einer Koppel mit der Düngung begonnen werden. Hier dauert es im Sommer ohnehin mindestens eine Woche bis man wieder die Koppel bestoßen kann.

Betriebe, die Festmist zur Verfügung haben, stellen Mistkompost bzw. zumindest Rottemist her. Dieser wird mit 10 bis 15 m2 je ha im Herbst nach der Beweidung ausgebracht. Über den Winter kann der Kompost oder Rottemist gut in den Boden einwachsen und stört bei der Beweidung im Frühjahr nicht mehr. Für die Ausbringung eignet sich am besten ein Kompoststreuer, der für eine sehr feine Verteilung sorgt. Vor der Beweidung kann dann noch eine Düngergabe Jauche mit 8 bis 12 m2 erfolgen.

Grundsätzlich gilt zu beachten, dass auf einem Weidebetrieb im Sommer weniger Dünger anfällt. Daher muss die Düngung für die restlichen Schnittflächen gut kalkuliert werden. Die größten Düngermengen fallen bereits auf der Weide über die Tiere an, weshalb ein gutes Weidemanagement gefordert ist, das für eine optimale Verteilung und damit auch Düngung verantwortlich ist.

Eine optimale Weidenutzung benötigt eine intensive Planungsarbeit im Voraus, damit die gewünschten Futterqualitäten sowie stabile Erträge erreicht werden können.
22.04.2010
Autor:Dipl.-Ing. Walter Starz, LFZ Raumberg-Gumpenstein
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