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Landwirtschaftskammer Österreich: EU-Agrarreform darf Österreichs Bauern nicht bestrafen

Witterungsverlauf 2012 zeigt: Ernteerfolg ist überwiegend vom Klima abhängig
Pressegespräch der Landwirtschaftskammern Österr.  NÖ  Wien und Bgld. am 3.7.2012 in Drösing  NÖ © Leitgeb
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Pressegespräch der Landwirtschaftskammern Österr., NÖ, Wien und Bgld. am 3.7.2012 in Drösing, NÖ © Leitgeb
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Pressegespräch der Landwirtschaftskammern Österr., NÖ, Wien und Bgld. am 3.7.2012 in Drösing, NÖ © Leitgeb
Pressegespräch der Landwirtschaftskammern Österr.  NÖ  Wien und Bgld. am 3.7.2012 in Drösing  NÖ © Leitgeb
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„Ein Ziel der Reform der EU-Agrarpolitik sei es, so der Agrarkommissar, Europas Landwirtschaft ‚grüner’ zu machen. Der Weg dahin soll demnach über das ‚greening’ der GAP beschritten werden. Dabei wären jedoch 7 % der Flächen aus der Produktion zu nehmen, was angesichts weltweit steigender Nachfrage nach Lebensmitteln abgelehnt wird. Darüber hinaus hat Österreich mit seinem Umweltprogramm enorme Vorleistungen erbracht und bereits heute das erreicht, was die Reform erst bringen soll. Daher dürfen die neuen Regeln nicht das Vorbild Österreich bestrafen, sondern die Leistungen der heimischen Bauern müssen als ‚greening’ anerkannt werden. Die LK Österreich verlangt daher, dass wie bei den Biobauern die Teilnahme am Agrarumweltprogramm per Definition als Erfüllung der ‚greening’-Vorschriften gilt. Diese Forderung Österreichs, die bereits auf einige Zustimmung in Brüssel gestoßen ist, muss voll und ganz erfüllt werden“, erklärte Ök.-Rat Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, im Rahmen der Erntepressefahrt der Landwirtschaftskammer und der RWA.
Foto (v.l.n.r.: Präsident Franz Windisch (LK Wien), Präsident Hermann Schultes (LK NÖ), Gerhard Wlodkowski (LK Österreich), Franz Stefan Hautzinger (Bgld. LK) und Ernst Gauhs (RWA).

„Green by definition“

Im Vorschlag der Europäischen Kommission sind bestimmte Landwirte, wie Bio-Landwirte „per Definition“ vom sogenannten Greening befreit. Die Ausnahme der Bio-Landwirte wird von der Kommission damit begründet, dass diese durch die Bio-Landwirtschaft eine ökologische Gesinnung belegen und durch die Art der Bewirtschaftung für die Gesellschaft, insbesondere für die Ziele Biodiversität, Klimaschutz und Umweltschutz, Nutzen stiften. Es wird daher davon abgesehen, die einzelnen „Greening-Elemente“ (Ökologische Vorrangflächen, Grünlanderhaltung, Anbaudiversifizierung) extra vorzuschreiben und zu kontrollieren.

„Wir wollen, dass auch bei den Teilnehmern am Agrarumweltprogramm diese ökologische Gesinnung und die Art der Bewirtschaftung als ‚für die Gesellschaft über die einzelbetriebliche Betrachtung hinaus Nutzen stiftend’ anerkannt werden und diese Landwirte als ‚green by definition’ gelten“, so Wlodkowski.

Präsident Abg. z. NR Ing. Hermann Schultes: Lassen Bauern nicht allein

„Ob die Ernte einen Wert hat, hängt von Preis und Ertrag ab. Beides ist riskant. Heuer zeigt sich, dass für Bauern, deren Ernte von Witterungsschäden betroffen ist, Betriebsprämie und Hagelversicherung überlebensnotwendig sind“, betonte Hermann Schultes, Präsident der LK Niederösterreich. Er ergänzte: „Damit ist klar, was wir für die nächste GAP-Periode verteidigen und ausbauen müssen.“
 
„Die Landeshilfe und der Sonderkredit von Raiffeisen zeigen den Bauern, dass sie in der Not nicht allein sind. Wir brauchen aber verlässliche Risikobegrenzungsmodelle für die Zukunft“, so Schultes weiter.

Mit ihm einer Meinung zeigte sich Dr. Andreas Leidwein, Vorsitzender des Pflanzenbauausschusses der LK Niederösterreich, indem er an die Verantwortlichen der Raiffeisenlagerhäuser appellierte, bei der Anzahlung der heurigen Ernte mutiger und großzügiger zu sein: „Wer rasch hilft, hilft doppelt“, so Leidwein.

Präsident Abg. z. NR Ing. Franz Windisch: Ausgleichszahlungen für Hauptproduktionsgebiete verankern

„Als Landwirt arbeitet man mit und in der freien Natur. Da gibt es keine Garantie für einen optimalen Produktionsverlauf, sondern man muss mit den Wetterrisiken gekonnt umgehen. Nichtsdestoweniger bedeutet weniger Ernte weniger Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern und letztendlich auch, dass weniger Rohstoffe für die Lebensmittelversorgung zur Verfügung stehen. Um diese ständige Mengen- und Preisvolatilität bei Ackerkulturen abzufedern, ist eine Verankerung von angemessenen Ausgleichszahlungen für die Hauptproduktionsgebiete Österreichs in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2014 bis 2020 mehr denn je erforderlich“, erklärte Franz Windisch, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien.

Präsident Franz Stefan Hautzinger: Regionalmodell für Ackerbaugebiete

„Die Landwirtschaft in Österreich steht derzeit vor der Umstellung des bisherigen Betriebsprämienmodells mit unterschiedlich hohen Zahlungsansprüchen je Betrieb in ein Regionalmodell mit einheitlichen Flächenprämien je Hektar für alle landwirtschaftlichen Betriebe. Die ersten Ernteergebnisse 2012, nach denen wir uns im Burgenland im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt auf einen Ertragsrückgang von zehn bis 15 Prozent, in manchen Gebieten sogar auf über 20 Prozent einstellen müssen, verstärkt die Ansicht, dass diese Modell-Umstellung unter Berücksichtigung der Gegebenheiten im Ackerbau erfolgen muss“, erklärte Franz Stefan Hautzinger, Präsident der Bgld. Landwirtschaftskammer und Verwaltungsratsvorsitzender der Agrarmarkt Austria.
„Wir müssen alle möglichen Spielräume der EU in der Unterscheidung von Regionen und Intensitätsgrenzen, wie extensive und intensive Bewirtschaftung, nutzen und lange Übergangsfristen für die Betriebe ermöglichen. Die Regionalmodelle müssen, um Sinn zu ergeben, Gebiete mit gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten zusammenfassen. Sachlich gerechtfertigte Unterschiede werden nötig sein, um die Konkurrenzfähigkeit zum Ausland zu sichern und die Existenz vieler Betriebe nicht zu gefährden. Wir wollen den enormen Strukturwandel, der laut Agrarstrukturerhebung 2010 speziell die Ackerbauregionen Österreichs getroffen hat, bremsen, da sonst eine flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft mit Betrieben, die die Menschen in unserem Land ausreichend mit sicheren, hochqualitativen Lebensmitteln versorgen, bald der Vergangenheit angehören könnte. Ich gehe davon aus, dass alle verantwortungsvollen Politiker, egal welcher Partei sie angehören, im Interesse der Menschen unserer Heimat die innerösterreichische Ernährungssouveränität aufrechterhalten wollen“, so Hautzinger abschließend.

Dipl.-Ing. Dr. Hannes Lang: RWA bietet Vermarktungs-Vielfalt

„Heuer findet das ‚Jahr der Genossenschaften’ statt. Genossenschaftliche Organisationen, wie die Lagerhäuser, stellen einen Eckpfeiler unserer Wirtschaft und Gesellschaft dar. Das gilt insbesondere für die Landwirtschaft. Ziel der Lagerhaus-Genossenschaften ist es, mit einem breiten Portfolio an Vermarktungsmodellen für den Landwirt das jeweils beste Ergebnis zu erreichen. Das ist besonders in Zeiten wie diesen, in denen wir mit schlechten Ernteaussichten konfrontiert sind, wichtig. Bei der Poolvermarktung sorgen in schlechten Jahren Absicherungstechniken dafür, das Preisrisiko möglichst gering zu halten. In guten Jahren ist es hingegen das Ziel der RWA- und Lagerhaus-Vermarktung, die guten Preise an die Bauern weiterzugeben. Der Landwirt erzielt damit in jedem Fall eine gute durchschnittliche Vermarktung ohne viel Risiko einzugehen“, stellte Dipl.-Ing. Dr. Hannes Lang, Aufsichtsratsvorsitzender RWA Raiffeisen Ware Austria AG, fest.
„Was uns allen bewusst sein muss, ist, dass es das Ei des Columbus für die Vermarktung nicht gibt. Jeder Landwirt kann nur das jeweils für ihn beste Vermarktungsmodell wählen. Dabei hat der Bauer neben dem Modell der Poolvermarktung auch die Möglichkeit, bereits vor der Ernte den Preis festzusetzen oder gar das Depotmodell zu wählen. Bei diesem können Landwirte, die gerade in unsicheren Zeiten lieber selbst spekulieren, in den Lagerhaus-Genossenschaften Depots anmieten, ohne bei der Lagerung ein Risiko einzugehen. Die Vermarktung, also die Bestimmung des Verkaufszeitpunkts, erfolgt in diesem Fall durch die Bauern selbst“, so Lang weiter.
Seit vergangenem Jahr ist die RWA über ihre Tochter BGA Bio Getreide Austria GmbH auch in der Vermarktung von Bio-Getreide tätig. Diese hatte 2011 ein erfreulich gutes Jahr, so Lang: „Die BGA erzielte ein respektables Aufkommen und konnte mit dem Poolsystem gute Erträge für die Biobauern erzielen. Dank der guten Vermarktungserfolge sind im Vorjahr keine Lagerbestände übrig geblieben. Dadurch bietet die BGA für die neue Ernte durch die Bank saubere Träger und beste Lagermöglichkeiten. Für die Kontrahierung 2012 freut sie sich über regen Zuspruch der Landwirte, wenngleich sich bereits jetzt gegenüber 2011 Ertragseinbußen abzeichnen. Ziel der BGA ist in jedem Fall wieder eine professionelle Vermarktung der ihr anvertrauten Bioernte, wobei aufgrund der kleineren Erntemenge mit besseren Qualitäten gerechnet werden kann.“
03.07.2012
Autor:Dr. Josef Siffert/Leitgeb u.a.
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