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Reportage: Milchschafe bringen den Hopfgartners Spaß am Beruf

150 Milchschafe täglich und 300 Kunden wöchentlich: Familie Hopfgartner, vulgo Richter, in Kleblach-Lind (Bezirk Spittal) erzeugt Joghurt, Käse und Topfen aus biologischer Landwirtschaft im Vollerwerb. Ein Erfolgsweg, der sich nach der Leere im Milchtank orientierte.
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Galerie: Betrieb Hopfgartner in Kleblach/Lind
Gut gemeint, aber voll daneben. Wer kennt diese Situation nicht? Im Fall von Reinhold Hopfgartner (43) löste dessen Geschenk bei seiner Ulrike, sagen wir einmal so, Verblüffung aus. "Als die vier Milchschafe an meinem Geburtstag vor mir standen, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, erinnert sich Ehefrau Ulrike Hopfgartner (40) schmunzelnd 18 Jahre zurück. "Reinhold und ich hatten damals nämlich null Ahnung von Milchschafen.“

Ulrike, gelernte Verkäuferin, arbeitete zu jener Zeit in einem Möbelhaus. Reinhold verdiente sein Geld als Maler und Anstreicher und hatte seine Landwirtschaft quasi stillgelegt.

Doch die Hopfgartners packten ihren neuen animalischen Zuwachs beim Schopf, absolvierten mehrere Milchverarbeitungskurse in Rotholz und Wolfpassing und begannen nach einiger Zeit des Expertimentierens mit ihrem selbst erzeugten Käse, Joghurt und Topfen auf den Markt zu fahren. Heute beliefern Ulrike und Reinhold im Vollerwerb pro Woche 300 Kunden auf den Biobauernmärkten in Klagenfurt und Villach sowie am Wochenmarkt in Spittal. Ein kleiner Teil verkauft sich über Handel und Gastronomie.

Steter Betriebsaufbau

Aus den ursprünglich vier Schafen sind mittlerweile 150 geworden. Mit den Aufzuchtlämmern bis zu 220. "Anfänglich lag unsere Vorstellungskraft bei maximal 50 Schafen, aber beim Vermarkten war immer zu wenig Milch im Tank drinnen“, sagt Reinhold mit einem Augenzwinkern. "Geplant war unser Weg nicht.“

Bis zu neun Stunden täglich ist der Oberdrautaler Biobauer mit dem Melken und Füttern seiner Schafe, überwiegend Lacaune-, aber auch Ostfriesische Milchschafe, beschäftigt. Früher molk er sogar direkt auf der Weide. Dafür hatte Reinhold zwei spezielle Hänger konstruiert. "Damit bin ich wie mit einem Zirkuswagen zwischen den Weiden und dem Hof hin- und hergefahren.“

Heute gewinnt Reinhold im Melkkarussel seiner Offenstallung täglich 160 Liter Milch. "Lacaune-Milchschafe geben zwar um ein Drittel weniger Milch, sind dafür aber stressresistenter und unproblematischer in der Haltung.“

Den kostbaren Rohstoff verarbeitet Ulrike zu einer umfangreichen Angebotspalette. Bei Joghurt werden acht verschiedene Sorten erzeugt, bei Käse zwölf. "Konsumenten wollen auswählen können“, weiß Ulrike, die durch ihre innovative Ader immer wieder neue Kreationen schafft. "Mir würde es auch nicht gefallen, wenn ich auf den Markt einkaufen gehe und nur eine Sorte Joghurt bekäme.“ Beim Abfüllen und Etikettieren der Gläser kommt Hilfe durch Ulrikes Schwiegermutter Gertrude und zwei Teilzeitkräfte.

Unternehmerisch kalkulieren

Während bei der Stallarbeit und bei der Milchverarbeitung jeder Partner durch den anderen ersetzbar ist, gehört die betriebswirtschaftliche Kalkulation ganz zur Aufgabe der Chefin. Seit 2006 nimmt Familie Hopfgartner am LK-Arbeitskreis Unternehmensführung teil. "Das unterstützt uns sehr“, sagt Ulrike. Ein Betriebskonzept wurde für den Neubau einer Lagerhalle gemeinsam mit LK-Betriebsberater Hartwig Winkler erstellt. Was es gebracht hat? "Es hat gezeigt, dass wir am richtigen Weg sind“, freut sich die ausgebildete landwirtschaftliche Facharbeiterin und fügt hinzu: "Wir haben einfach Spaß an der Arbeit. Bauern sollten sich und ihre Produkte mehr wertschätzen.“

Dass der Absatz von Schafmilch floriert, führt Ulrike auf den Anstieg von Menschen mit Unverträglichkeit und den allgemein höheren Ernährungsbewusstsein unter Konsumenten zurück. Zudem passt natürlich die Produktqualität: Zahlreiche Siege bei Prämierungen (wie Kärntner Käseprämierung, Kasermandl) und die Nominierung für die GenussKrone-Gala am 26. Juni in Velden mit dem "Oberdrautaler Blöcki“-Käse sind eine schöne Bestätigung der Arbeit.

Die Hopfgartners sind eine gesellige Familie. In ihrer Freizeit spielt Ulrike gerne auf der Theaterbühne, liebt das Tanzen und trifft sich mit Freunden. "Mein Mann hat keine Hobbys, ist nur daheim“, sagt sie und lacht, zumal Reinhold besonders kommunikativ ist und Exkursionsgäste durch den Betrieb führt.

Einmal im Jahr, das muss sein, macht sich Familie Hopfgartner selbst ein besonderes Geschenk: drei Wochen lang Urlaub mit dem Wohnwagen in Griechenland am Meer. "Da können wir komplett entspannen und abschalten“, sind sich Ulrike und Reinhold diesmal wirklich einig.

Betriebsspiegel

  • Name und Adresse: Reinhold (43) und Ulrike (40) Hopfgartner, vlg. Richter, Kleblach 18, 9753 Lind/Drau, Bezirk Spittal/Drau, Tel. (0 65 0) 252 52 63, E-Mail: famhopfgartner@aon.at
  • Familie: Kinder Sarah (21), Mathias (17) und Bernhard (12); Altbäuerin Gertrude (73)
  • Seehöhe: 570 m
  • Betriebsgröße: 6,5 ha, davon 5 ha LN; Pachtflächen: 11,5 ha
  • Ackerbau: 10,5 ha Feldfutter
  • Grünland: 6 ha
  • Tierhaltung: 150 Milchschafe und Aufzucht
  • Waldwirtschaft: 1,5 ha
  • Direktvermarktung von Milchprodukten aus 30.000 bis 40.000 Litern Milch pro Jahr
14.06.2012
Autor:Mag. Christoph Gruber, LK Kärnten
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